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Waldbauliche Entwicklung


Die Ausgangslage war, wie dem ersten Operat von 1845 zu entnehmen ist, denkbar schlecht. Von der Gesamtfläche (651 ha) waren nur 360 ha ausreichend bestockt. 275 ha umfassten junge, aus Umwaldungen entstandene Nadelholzbestände. Übernahmewürdige Laubwaldungen waren auf einer Fläche von 85 ha vorhanden. Die Restfläche von 291 ha bestand aus 33 ha unbestockten Flächen und 258 ha Ödungen und Krüppelwald (Endstadium der als Raubbau betriebenen Mittelwaldwirtschaft). Der Boden war mit Ausnahme des sehr weit abgelegenen Distrikts V "Äußerer Wald" durch Streunutzung stark entartet und in den verlichteten Beständen durch Gras- und Unkrautwuchs verwildert.

Durch intensive Aufforstungs- und Umwandlungstätigkeit konnten die Kahlflächen, Ödungen und Krüppelbestände innerhalb weniger Jahrzehnte (1845-1880) restlos bereinigt werden. Ziel dieser Aufforstungs- und Umwandlungstätigkeit war die Nachzucht des Nadelholzes, vor allem der Kiefer, die sich zur damaligen Zeit als Streulieferant ganz besonderer Beliebtheit erfreute. Als Verjüngungsverfahren wurde meist die Kiefern-Lärchen-Mischsaat, z.T. mit etwas Fichte, angewandt. Etwas Laubholz erhielt man durch die Übernahme von Gerten und besser geformten Stockausschlägen, die bei der nachfolgenden Reinigung begünstigt wurden. Ab 1856 verwendete man auch Edellaubhölzer in bescheidenem Umfang. Von 1869 an trat die Pflanzung mehr und mehr an die Stelle der Saat und 1881 sah man als Neuerung den Kiefern-Überhalt, die Belassung von Schattenstangen zum Schutz der Kultur und einen höheren Fichtenanteil in besonders durch Schneebruch gefährdeten Lagen vor. Die Verjüngungsflächen wurden eingeschränkt und der Lärchenanteil auf mageren Böden vermindert.

Im Wirtschaftsplan von 1905 wird erstmals als Wirtschaftsziel die Begründung von Mischbeständen aus Kiefer, Fichte, Lärche mit Buche und Eiche genannt. Soweit das Laubholz nicht durch Naturverjüngung zu erzielen war, sollte es vorgebaut oder beigepflanzt werden. Die Verhältnisse hatten sich damals schon erheblich gebessert. Man hatte die Streunutzung geregelt, den Streufrevel eingedämmt und schlecht wüchsige Partien gänzlich von der Streunutzung ausgenommen. Die Nutzung krüppelhafter Bestände stand vor dem Abschluß. Die intensive Kulturtätigkeiten hatte eine deutlich höhere Qualität der Jungbestände zur Folge. Das anfängliche Misslingen einer ausreichenden Laubholz-Beimischung dürfte vor allem darauf zurück zu führen sein, dass man sich für die Naturverjüngung zu wenig Zeit ließ und bei Vorbau bzw. Beipflanzung die für gutes Gelingen entscheidenden Schutz- und Pflegemaßnahmen unterließ. Die Fichten-Nachzucht wurde auf Wunsch der Gemeinde immer wieder eingeschränkt, weil die Landwirte durch einen höheren Fichtenanteil eine Schmälerung des Streuertrages befürchteten.

Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre, als hohe Umlagen den Einschlag diktierten, konnte man glücklicherweise auf vorhandene Durchforstungsreserven zurückgreifen. Dadurch ersparte man sich ein Übermaß an waldbaulich schwierigen Kahlflächen, die wegen Arbeitsmangel damals nicht aufforstbar waren. Die Verjüngungsflächen dieser Zeit zeigen deutliche Spuren der damaligen Wirtschaftserschwernisse. Im Anschluß daran wurden ab 1948 bessere Kulturen, Jungbestände und Waldbilder hervorgebracht. Diese Arbeiten wurden überwiegend durch die "Kulturfrauen" verrichtet.

von links unten: Hermine Meister, Monika Seufert

von links oben: Josefa Aschinger, Christa Vogel, Johanna Breunig

Durch den allgemeinen Rückgang der Streunutzung begünstigt, konnte der Fichtenanteil auf allen frischeren Standorten erhöht werden. Das seit den 30er Jahren intensiver gepflegte Laubholz brachte in den folgenden Mastjahren oft reichlich Naturverjüngung hervor. Die Gemeinde ging nach anfänglichem Zögern sehr rasch auf die Anregungen des Forstamtes ein, so dass durch intensive Kultur- und Nachbesserungstätigkeit, Bodenbearbeitung und Düngung, sowie die Durchführung aller nötigen Schutz- und Pflegemaßnahmen waldbaulich und wirtschaftlich viel Positives geleistet werden konnte.


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