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Bezeichnung: S6
Länge: 10,4 km
Dauer: 3 1/4 Stunden

Von Schneeberg wandern wir zunächst das unberührte Morretal aufwärts zur Zittenfeldener Quelle bzw. zur Siegfriedquelle. Die wohl bekannteste mittelalterliche Heldendichtung, das Nibelungenlied, hat für den gesamten Odenwald eine besondere Bedeutung. Hier soll vor etwa 1500 Jahren Siegfried durch Hagen meuchlings ermordet worden sein. Das Nibelungenlied wurde etwa um 1200 von einem unbekannten Dichter geschrieben. Es schildert das Leben von Kriemhild und Siegfried am Hofe des Burgunderkönigs Gunther zu Worms, wie Siegfried für Gunther Bundhild gewann und dafür Kriemhild zur Frau bekam, wie sein Geheimnis der Unverwundbarkeit verraten, und er von Hagen von Tronje bei einem Jagdzug aus einer Quelle trinkend hinterrücks erstochen wurde.
Da die Ortsbeschreibungen im Nibelungenlied jedoch sehr vage sind, wird noch von mehreren anderen Quellen der Anspruch erhoben, der wirkliche Siegfriedbrunnen zu sein. Aber keine der in Betracht kommenden Quellen ist so idyllisch wie die Zittenfeldener Quelle.
Von der Quelle führt unser Wanderweg nach Zittenfelden. 1347 wurde dieser Ort erstmals erwähnt. Die Bedeutung des Ortes war in früheren Zeiten am Verbindungsweg zwischen dem bayerischen und badischen Odenwald größer als heute, wo die Landesgrenze auch gleichzeitig Endpunkt der Fahrstraße ist. Auf dem Rückweg von Zittenfelden nach Schneeberg kommen wir an der Höhle des Karre-Franz vorbei. Der Karre-Franz hieß mit seinem richtigen Namen Franz Schmitt. Den Spitznamen erhielt er von dem Karren, mit dem er Holzkohle zum Verkauf bis nach Frankfurt brachte. Durch seinen ständigen Aufenthalt im Wald, wo er als Köhler sein kärgliches Brot verdiente, war er äußerlich sehr verwildert und wegen seines wüsten Aussehens gefürchtet. In Wahrheit aber war er ein herzensguter Kerl, der mit anderen gerne sein Brot teilte. Seine Leidenschaft aber war das Wildern. Manches Stück Wildbret verschenkte er an die Armen und gerne verglich man ihn mit dem Schinderhannes, der den Reichen nimmt, den Armen gibt und mit den Gendarmen Katz und Maus spielt. So erzählt man gerne folgende Geschichte:
Auf der Flucht vor Gendarmen fand der Karre-Franz abend Unterschlupf in einer einsamen Feldscheune. Müde streckte er sich auf dem Heuboden aus und war bald eingeschlafen, ohne zu ahnen, dass seine beiden Verfolger ganz in der Nähe waren. Auch sie, müde von der Verfolgung, beschlossen in der gleichen Scheune zu übernachten ohne zu ahnen, dass der Gesuchte über ihnen auf dem Heuboden schlief. Der Karre-Franz, der durch sein Leben im Walde einen leichten Schlaf hatte wurde alsbald durch das Schnarchen der Gendarme geweckt. Dennoch blieb er seelenruhig bis zum Morgen auf seinem Lager liegen. Beim ersten Tageslicht stieg er vom Heuboden herab, betrachtete schmunzelnd die beiden Gendarme, nahm ein Stück Papier und schrieb mit ungelenker Hand: "Ihr habt so laut geschnarcht, dass ich schon etwas früher gegangen bin. Euer Karre-Franz".
Ständig auf der Flucht fand der Karre-Franz seine Nachtlager in Steinbruchhütten, in Scheunen oder in selbst eingerichteten Hütten und Höhlen, die weit verstreut lagen. Schließlich gelang es den Gendarmen, den Karre-Franz zu stellen. Als dieser keinen Ausweg mehr sah, griff er nach dem Gewehr und verletzte einen Forstaufseher schwer. Für diese Tat wurde er zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Erbach absitzen musste. Dort lernte er das Korbflechten. 1916 wurde der Karre-Franz wegen guter Führung zwei Jahre früher entlassen.


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